Die Berchinger Vorstadt

Interessantes, Spannendes, Alltägliches und Wissenswertes: die Berchinger Vorstadt.
Historische Bilder der Berchinger Vorstadt und detailreiche Informationen zu den Eigentümern der Häuser.

Unsere Vorstadt

Berching wurde 883 n. Chr. erstmals urkundlich erwähnt, ist aber schon wesentlich älter. Der Weiler „Pirihinga“ lag günstig im Tal der Sulz an der Straße Neumarkt - Beilngries. Der erste befestigte Bau stand wohl am Platz der heutigen St. Lorenz Kirche, die bis 1519 die Berchinger Pfarrkirche war. Die Vorstadt ist mit einer inzwischen etwas abgetragenen Mauer fast gänzlich umgeben und im Westen durch die Sulz begrenzt. Gegliedert ist die Vorstadt in die Obere Vorstadt mit zwei großen Plätzen, die Untere Vorstadt, die Mühl- Pfarr- und Klostergasse. Zwei Tore musste man noch bis 1960 passieren, wenn man auf der Durch-gangsstraße, der späteren B 299, durch Berching fahren wollte: Im Norden das „Krapfentor“ (heute „Neumarkter“ Tor), das seinen Namen wohl von den im Nord-Osten vorgelagerten Flur „Krapferäcker“ bekam, im Süden das „Siechentor“ (heute „Beilngrieser“ Tor), durch das die mit ansteckender Krankheit befallenen „Siechen“ die Siedlung verlassen mussten. Beide Tore waren sehr günstig für die Finanzen Berchings, musste man ja an den Toren bis ca. 1930 Pflasterzoll zahlen. Und wirtschaftlich ging es auch der Vorstadt insgesamt nicht schlecht. Davon zeugen schon die großen Häuser, deren Bedeutung in den Hausbeschreibungen nachgelesen werden kann. Neben einer Kirche und dem Pfarrhof gab es früher u. a. ein Kloster, vier Brauereien, sechs Gasthäuser, zwei Bäcker, zwei Tierärzte, drei Ärzte, sieben Gemischtwarenhandlungen, zwei Schmiede, vier Viehhändler, ein Lagerhaus, zwei metallverarbeitende Betriebe, ein Uhren-Schmuck-Optik Geschäft, eine Mühle und zwei Schuster. Drei Tankstellen versorgten allein in der Vorstadt den Verkehr auf der Bundes-straße. Bedeutend waren auch die Betriebe nördlich der Vorstadt. Die „Flachsröste“ war wichtiger Arbeitgeber, zum und vom Bahnhof strömten fast alle Zugfahrer durch die Vorstadt und neben einer Mühle fand sich eine bedeutende Arztpraxis. Auch die Lände am Ludwigskanal darf nicht vergessen werden. Bunt geschmückt und herausgeputzt waren die Häuser beispielsweise bei dem Besuch des Prinzregenten anlässlich der 1000-Jahr-Feier im Jahr 1926, des „Führers“ Adolf Hitler und natürlich bei Fronleichnamsprozessionen. Wöchentlich sorgten die Anwohner selbst für saubere Straßen. Man traf sich an den Steinbänken vor den Häusern um Neuigkeiten auszutauschen. Und ganz früher war um 22.00 Uhr Nachtruhe, die Gasthäuser sperrten ihre Türen zu und auch die beiden Tore wurden geschlossen.

Heute hat sich das Leben in der Vorstadt grundsätzlich geändert. Die größten Betriebe siedelten aus, die Geschäfte der Nahversorgung liegen als „Supermärkte“ vor der Vorstadt. Man wird nicht mehr durch Dengelgeräusche der Schmiede geweckt. Keine Mühle klappert mehr am rauschenden Bach und nur noch ein Betrieb „braut“ das Bier. Gottseidank konnte der Betrieb der ehemaligen Posthalterei und des späteren größten Bettenhotels der Oberpfalz wieder nach gelungener Renovierung aufgenommen werden. Somit kann sich der Gast noch in zwei Gasthäusern auch mit vorzüglichen Speisen verwöhnen lassen. Kartenspieler sieht man kaum noch. Flachsröste und Bahn haben die Betriebe nahezu völlig eingestellt. Die Pfarrkirche verlegte man in die Innenstadt und weder die Fronleichnamsprozession noch der Faschingszug führen mehr durch die Vorstadt. Der Hauptverkehr führt über die neu verlegte B 299. Zunehmende Umzüge und eine wachsende kulturelle Vielfalt prägen das heutige Zusammenleben. Die Anonymität in den Wohngebieten nimmt zu.  Doch sind dies alles nur Änderungen, die auch mehr und mehr die Innenstadt betreffen.

 

Viele Berchinger haben uns in den vergangenen Jahren historische Fotografien von Häusern der Vorstadt gebracht, die zum Teil heuten gar nicht mehr stehen. So ist es jetzt möglich, das Bild der Stadt aus vergangener Zeit der Öffentlichkeit präsentieren zu können.  Diese Bilder verknüpfen wir mit den historischen Berchinger Hausbeschreibungen. Grundlage hierfür sind die Aufzeichnungen des Stadtschreibers Sebastian Gareis, die 1931 von Polizeikommissär a. D. Josef Rebele überarbeitet und schließlich von den Archivmitarbeitern Hans Dengler, Bernd Netter und Hubert Staudt erweitert wurden. Eingearbeitet wurden und werden immer noch Erkenntnisse aus den Steuerbüchern der Stadt Berching ab 1674 und vielen anderen Archivunterlagen. Bisher wurden im Häuserbuch alt meist nur die männlichen Besitzer mit Namen erfasst. Nachdem aber die Kirchenbücher auch des Bistums Eichstädt online gestellt wurden, konnten und können auch die Ehefrauen und Kinder zugeordnet werden. Viele Geburts-, Heirats- und Sterbedaten konnten ebenso eingearbeitet werden.

Wir bitten um Verständnis, dass bei der Veröffentlichung dieses erweiterten Häuserbuches die Daten und Namen der aktuellen Besitzer aus Datenschutzgründen unberücksichtigt bleiben müssen.