Die Berchinger Vorstadt

Das Pauligoggelhaus - Haus Nr. 212

Haus-Nr. 212

Das Pauligoggelhaus (Bahnhofstraße 6, Haus Nr. 212) in Berching lässt sich über mehrere Jahrhunderte hinweg gut in seiner sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung nachverfolgen. Besonders auffällig ist der Wandel von einem handwerklich geprägten Haus zu einem landwirtschaftlich und später auch gewerblich genutzten Anwesen.

Erstmals greifbar wird das Haus ab Jakob Baumgartner (ab 1684), der es neu errichten ließ. Bereits kurz darauf ging es an Hans Michl Rumpf (1696–1740) über, der als Rotgerber tätig war. Der Beruf des Rotgerbers – ein Lederhandwerker, der Tierhäute mit pflanzlichen Gerbstoffen bearbeitete – prägte das Haus über mehrere Generationen hinweg. Auch sein Sohn Johann Rumpf Paul (1740–1770) führte diesen Beruf weiter, wodurch das Anwesen lange ein typisches Handwerkerhaus der Lederverarbeitung blieb.

Im späten 18. Jahrhundert wechselte die Nutzung: Durch Heirat gelangte das Haus an Jakob Regnath (ab 1770), der als Bauer arbeitete. Damit verschob sich der Schwerpunkt von handwerklicher Produktion hin zur Landwirtschaft. Sein Sohn Josef Regnath (Ökonom, ab 1804) führte diesen landwirtschaftlichen Charakter weiter, wobei der Begriff „Ökonom“ damals einen größeren landwirtschaftlichen Betrieb bezeichnete.

1833 kam das Haus im Tausch an Michl Grabmann, ebenfalls Ökonom und zudem kommunalpolitisch aktiv als Mitglied des Stadtmagistrats. Damit wurde das Anwesen stärker in die lokale Verwaltungs- und Landwirtschaftsstruktur eingebunden. Seine Witwe und später sein Sohn Franz Grabmann (Ökonom und Landrat) führten den Besitz weiter. Unter ihm blieb das Haus weiterhin landwirtschaftlich geprägt, gleichzeitig zeigt seine Funktion als Landrat den gesellschaftlichen Aufstieg der Familie.

Im 20. Jahrhundert blieb das Haus in der Familie Grabmann. Josef Grabmann (Landwirt, ab 1921) übernahm den Besitz durch Kauf bzw. Tausch und war zugleich politisch als Stadtrat tätig. Damit verband sich Landwirtschaft zunehmend mit kommunalem Engagement.

Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts kam es zu einer stärkeren gewerblichen Nutzung: Josef Grabmann (Bäcker, ab 1950) führte das Anwesen weiter, das nun auch als Lebensmittel- und Gemischtwarenstandort genutzt wurde. Später entwickelte sich daraus ein kleiner Gewerbebetrieb mit wechselnden Nutzungen (u. a. Bäckerei, Lebensmittelhandel und Malerei), was den Übergang vom landwirtschaftlichen Haus zum modernen Misch- und Geschäftshaus zeigt.

Insgesamt spiegelt das Pauligoggelhaus exemplarisch die Entwicklung Berchings wider: von einem handwerklichen Rotgerberhaus des 17. und 18. Jahrhunderts, über ein bäuerlich geprägtes Ökonomieanwesen im 19. Jahrhundert, bis hin zu einem gemischt gewerblich genutzten Haus im 20. Jahrhundert.

Heutige Adresse: Bahnhofstr. 6

Auszug aus dem Häuserbuch Haus-Nr. 212 (154,9 KB)