Die Berchinger Vorstadt

Gasthof zur Post - Haus Nr. 169

Haus-Nr. 169

Das Anwesen an der Johannesbrücke 5, ehemals als „Posthaus“ bekannt, blickt auf eine bewegte Geschichte mit Braurecht und Gastwirtsgerechtsame zurück. Bereits vor 1674 befand es sich im Besitz einer Familie, die neben der Landwirtschaft auch Viehhaltung betrieb. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Haus von einem Wirt zum „Goldenen Adler“ übernommen. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das Gebäude durch eine Witwe neu erbaut und durch die Zusammenlegung mit einer benachbarten Bäckerstätte erheblich erweitert. Über mehrere Generationen hinweg führten Weinwirte, die teils auch als Ratsherren oder Bürgermeister tätig waren, den Betrieb.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kam das Haus durch Heirat an einen Brauer, der im Winter 1812 ein eigenes Brauhaus errichtete. Unter dessen Nachfolger, der auch als erster Postexpeditor von Berching fungierte, wurde das Anwesen durch Zukäufe von Mühlen und weiteren Häusern zu einem ansehnlichen Gesamtbesitz vereinigt. In dieser Zeit entstanden Stallungen für die Posthaltung, und das Gasthaus wurde in einen Gasthof zur Post umgewandelt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts übernahm ein Posthalter, der ebenfalls dem Stadtmagistrat angehörte, die Leitung. Nach einer kurzen Phase unter einem Guts- und Brauereibesitzer erwarb 1895 ein weiterer Brauer das Anwesen, der den Betrieb um einen Eiskeller und ein Schlachthaus erweiterte. Vor dem Zweiten Weltkrieg ging der Besitz an eine Gutsverwaltung über, die das Brauhaus stilllegte und die Räumlichkeiten verpachtete. In den Nachkriegsjahren erwarb schließlich ein Land- und Gastwirt das Gebäude. Dieser modernisierte den Betrieb umfassend und erweiterte das Angebot um eine Schlachterei, den Vertrieb von Spielautomaten sowie ein Kino, die sogenannten Post-Lichtspiele. Zudem siedelten sich auf dem Gelände zeitweise Betriebe für Molkereiprodukte und die Betonwarenherstellung an.

Heutige Adresse: Johannesbrücke 5

Auszug aus dem Häuserbuch Haus-Nr. 169 (123,7 KB)