Das Reicherttonihaus - Haus Nr. 235

Haus-Nr. 235
Das Haus, auch als „Reicherttonihaus“ (in älteren Quellen „Reigerttonihaus“) bezeichnet, lässt sich sicher ab dem späten 17. Jahrhundert nachweisen. Erste bekannte Besitzer waren Hans Poppel der junge Schuster (1674–1681) und anschließend seine Witwe. Danach folgten über mehrere Generationen Handwerkerfamilien: zunächst der Schuster Thomas Leiber (1688–1707), danach der Nadler Christoph Zusser (1708–1727) und Josef Waller (1727–1736). Besonders lange in Familienhand blieb das Haus anschließend bei der Gerberfamilie Knör (1736–1780).
Im späten 18. Jahrhundert wechselte das Anwesen mehrfach: über Margaretha Birkl und Hans Michl Regensburger gelangte es 1795 an Stephan Gerner, der es 1816 im Erbgang an Johann Gerner (Ökonom) übergab. Bereits im selben Jahr kam es durch Tausch an den Fuhrmann und Braumeister Anton Pettenkofer, der das Haus mit einer anderen Immobilie (Nr. 237) tauschte. Seine Familie blieb bis 1847 Eigentümer, danach folgten weitere Generationen innerhalb der Pettenkofer-Linie, zuletzt ein Taglöhner gleichen Namens.
Ab 1877 übernahm der Privatier Josef Schimpl das Haus wiederum durch Tausch, gefolgt vom Zinngießer Josef Bauer (1886–1922), der das Gebäude im 19. Jahrhundert wirtschaftlich nutzte und später ein neues Haus errichtete bzw. Umbauten veranlasste. 1922 ging das Anwesen an den Krämer Bonifaz Pröll, der das alte, bereits stark beschädigte Gebäude 1928 abtragen und 1929 durch einen Neubau ersetzen ließ.
Nach seinem Tod übernahm seine Witwe Rosina Pröll das Anwesen bis 1968 und führte dort ein Gemischtwarengeschäft. Damit endet die über 300-jährige, kontinuierlich dokumentierte Eigentumsgeschichte dieses Hauses, das sich von einem Handwerkerhaus des 17. Jahrhunderts zu einem modernen Geschäftshaus entwickelte.
Heutige Adresse: St.-Lorenz-Str. 18
Auszug aus dem Häuserbuch Haus-Nr. 235 (125,1 KB)