Das Schmiednatzihaus - Haus Nr. 213

Haus-Nr. 213
Das Schmiednatzihaus (Bahnhofstraße 4, Haus Nr. 213) in Berching ist über mehrere Jahrhunderte eng mit dem Schmiedehandwerk verbunden und zeigt sehr gut die Kontinuität eines traditionellen Handwerksbetriebs innerhalb einer Familie.
Erstmals nachweisbar ist das Haus ab Georg Vögelein (ab 1674), der als Schmied tätig war. Neben seiner handwerklichen Tätigkeit betrieb er offenbar auch eine kleine Landwirtschaft mit Viehbestand, was für frühneuzeitliche Handwerkerhäuser typisch war. Seine Nachkommen führten den Betrieb weiter, sodass sich das Haus früh als Schmiedewerkstatt etablierte.
Ab Georg Vögele (1684–1751) blieb das Haus über mehrere Generationen in der Schmiedefamilie Vögele. Besonders Josef Vögele (1752–1786) setzte die Tradition fort. Der Schmied war damals ein zentraler Handwerker im Ort, zuständig für Hufbeschlag, Werkzeugherstellung und Reparaturen an landwirtschaftlichen Geräten – ein unverzichtbarer Beruf im ländlichen Raum.
Im späten 18. Jahrhundert übernahm Jakob Ignatz Vögele (1786–1816) das Anwesen weiterhin als Schmied. Nach seinem Tod kam es durch Heirat der Tochter in die Familie Schneider, wodurch Franz Schneider (ab 1816) als Schmied Besitzer wurde. Damit blieb das Handwerk trotz Familienwechsel erhalten.
1827 ging das Haus durch Tausch an den Schmied Xaver Donhauser, was erneut die handwerkliche Nutzung sicherte. Danach übernahm Michl Weckerler (ab 1836), ebenfalls Schmiedemeister, das Anwesen durch Heirat. Unter ihm bestand das Haus nicht nur aus der Werkstatt, sondern auch aus Wohnhaus und Stall, was die Kombination aus Handwerk und Landwirtschaft verdeutlicht.
Ab Anton Donhauser (1859–1898) blieb das Schmiedehandwerk weiterhin im Familienbesitz. Er war zudem politisch aktiv als Magistratsrat, was auf eine gewisse soziale Stellung des Schmieds im Ort hinweist.
Sein Sohn Johann Donhauser (ab 1898) führte die Schmiede weiter bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Das Anwesen blieb damit über fast 300 Jahre durchgehend ein Schmiedehaus, was im historischen Ortsbild von Berching eine bemerkenswerte Kontinuität darstellt.
Insgesamt zeigt das Schmiednatzihaus sehr deutlich die Entwicklung eines typischen Handwerkerhauses: von einer frühen Schmied- und Kleinlandwirtschaft im 17. Jahrhundert, über eine fest etablierte Schmiededynastie im 18. und 19. Jahrhundert, bis hin zu einer ortsprägenden Schmiedewerkstatt mit politischer und wirtschaftlicher Bedeutung im 19. und 20. Jahrhundert.
Heutige Adresse: Bahnhofstr. 4
Auszug aus dem Häuserbuch Haus-Nr. 213 (154,4 KB)