Aus der Schulgeschichte

"Keine Ordnung in der Schule“ – Ein Schulkonflikt im Jahr 1821

Aus der Schulgeschichte im Schuljahr 1821/22

Den Verordnungen gemäß trafen sich am ersten Sonntag im Oktober  1821 die beiden Lehrer Alois Dormer (Letzterer seit 1777 Lehrer und Kantor in Berching, 1821 71 Jahre alt) und Martin Ziegler, Bürgermeister Schmee, Stadtpfarrer Roth und Magistratsrat Schmelzer im Rathaus. Die beiden Lehrer wurden ermahnt, ihre Pflichten zu erfüllen, außerdem bekamen sie die Liste der schulpflichtigen Kinder. Diese bringen u. a. vor, „dass die meisten Kinder wieder wie bisher und voriges Jahr die Schule nicht besuchen. Dieses Verhältnis ist in der Stadt und auf dem Lande gleich, er bittet deshalb, dass die Eltern der säumigen Kinder gehörig geahndet werden“. Die Eltern der säumigen Kinder wurden ins Rathaus einbestellt. In der Anwesenheitsliste unterschrieben 64 Personen (fast nur Väter), 14 davon mit drei Kreuzchen (also konnten mehr als 20 % nicht schreiben). Gegen die beiden Lehrer wurden massive Beschwerden vorgebracht:

  1. „Wurden die Schulstunden nicht ordentlich eingehalten, indem erst um ½ 9 Uhr die Schule beginnt und um ½ 11 Uhr sich wieder endet, um ½ 1 Uhr fänge sie wieder an und um 2 Uhr oder ½ 3 Uhr wird die Schule wieder ausgemacht.“
  2. „In der Schule selbst ist keine Ordnung, denn es befinden sich darin Vögel, Blumen, und kommen beständig die kleinen Mädchen des ersten Lehrers in die Schule und stören die Kinder.“
  3. „Wird in dem Schulzimmer des ersten Lehrers gespeiset,….“. An anderer Stelle heißt es genauer: „…dass … Ziegler mit seiner Familie im Schulzimmer speise, so zwar, dass die Kinder von den Dörfern sich auf der Gasse aufhalten müssen, und erstarren, oder Unfug treiben….“
  4. „Ist die Disziplin äußerst vernachlässigt, indem nur sehr wenige Kinder die Kirche besuchen ….. Sind ferners auf der Gasse sehr unruhig, und schreien und lärmen abscheulich.“
  5. „Der II. Lehrer sei sehr schlaff, halte wenig Ordnung, und die Kinder werden nicht gehörig instruiert.“
  6. „….. , dass sich keiner der beiden Lehrer dem Unterrichte in der Musik unterziehen wolle, welches doch sehr notwendig wäre.“
  7. „Dann entferne sich der Lehrer Ziegler öfters aus freiem Antrieb, und bleibe oft 3 bis 4 Tage ohne Anfrage von der Schule weg.“

 

Die Lehrer stritten diese Vorwürfe ab. „Der Lehrer Ziegler ……. äußerte mit Schreien und Lärmen, dass dies alle Unwahrheit wäre, was man ihm vorgelesen habe, dass man ihn ständig necken wolle, man solle den Teufel in das Protokoll hineinschreiben ……. So mehrere unanständige, und Subordinations widrige Ausdrücke, die die vorgesetzte Lokal-Schulinspektion verleidigen müssen.“

 

Bürgermeister, Stadtpfarrer und drei Räte verfassten daraufhin eine Resolution, in der das Verhalten und die Aufgaben der Lehrer festgelegt wurden. An die “Königliche Distrikts Schul Inspektion Beilngries wurde der Fall gemeldet und über das „unwürdige Subordinations widrige Betragen“ des Lehrers Ziegler in Kenntnis gesetzt. Im Wiederholungsfalle würden andere Maßregeln ergriffen.

 

Hans Dengler

Hubert Staudt