Der Bauernaufstand von 1525

Der Bauernaufstand von 1525

Aufruhr vor den Toren Berchings

Angestoßen durch Martin Luthers Thesenanschlag von 1517 sowie seine Forderungen nach der Freiheit des Evangeliums, regte sich in Südwestdeutschland und Franken ab 1524 gewaltiger Widerstand. Die Bauern, bestärkt durch Luthers Mahnungen an die Fürsten, ihre Unterdrückung zu überdenken, forderten die Befreiung von drückenden Lasten und Abgaben. Da die Fürsten jedoch hart blieben, entbrannten die ersten Aufstände, die anfangs durchaus erfolgversprechend verliefen. Ermutigt durch diesen ersten Rückenwind radikalisierte sich die Bewegung: Burgen und Klöster wurden überfallen, verwüstet und geplündert, während Geistliche und Adelige zunehmend Misshandlungen ausgesetzt waren.

In der Region um Berching formierte sich der sogenannte „Obermässinger Bauernhaufe“. Erste Aufrührer versammelten sich in Enkering und wiegelten die Bauern der gesamten Umgebung auf. Zwar erhielten sie Unterstützung von Bewohnern aus Greding, Berching und Beilngries, doch die offizielle Bürgerschaft dieser Städte verhielt sich weitgehend neutral und zurückhaltend.

Schließlich sollen sich am Obermässinger Berg rund 8.000 Bauern zusammengerottet haben. Nachdem sie Obermässing und Greding bereits eingenommen hatten, fassten sie den Entschluss, gegen Berching vorzurücken. Die Aufständischen schlugen ihr Lager vor der Stadt auf und entsandten ihre Hauptleute zu Verhandlungen mit der Bürgerschaft. Man wies ihnen ein Gasthaus als Herberge zu – eine Geste, die die Anführer jedoch missbrauchten, um die Bürger gegen die Stadtobrigkeit aufzuhetzen.

Erzürnt über diese verletzte Gastfreundschaft beschlossen die Berchinger, den Unruhestiftern einen empfindlichen Denkzettel zu verpassen. In einer ebenso ungewöhnlichen wie demonstrativen Aktion erschien die Bürgerwehr auf der Stadtmauer, „bewaffnet“ mit einer einfachen Holzbank. Vor den Augen der versammelten Aufständischen wurde jeder Bauernhauptmann einzeln auf die Bank gelegt und erhielt eine „saftige“ Tracht Prügel, bevor man sie allesamt zum Stadttor hinausstieß. Diese wehrhafte Entschlossenheit hinterließ offenbar Eindruck: Die Bauern zogen ab, ohne die Stadt anzugreifen, ließen ihren Zorn stattdessen jedoch am Kloster Plankstetten aus, das sie im Anschluss verwüsteten.

Am Ende bewies dieser Vorfall zweierlei: Die Berchinger Bürger wussten sich mit List zu helfen, und ihre Stadtmauer erfüllte – trotz der Übermacht vor den Toren – ihren Zweck.

Hubert Staudt