Die Familie Pettenkofer als Namensgeber für den Pettenkoferplatz
Am 28.12.1965 schlug Bürgermeister Hollnberger dem Stadtrat vor, dass der Untere Marktplatz besser als Pettenkoferplatz bezeichnet werden sollte. Mit Beschluss vom 10.01.1966 mit 6:3 Stimmen erhielt also der Untere Markt den offiziellen Namen „Pettenkoferplatz“. Da der Name aus geschichtlicher Sicht von Bedeutung ist, dürfte die Namensgebung nicht auf einen bestimmten Pettenkofer zurückzuführen sein, sondern auf das Wirken der verschiedenen Pettenkoferfamilien zum Wohle der Stadt.
Woher der Name Pettenkofer kommt, liegt im Ungewissen. Zum ersten Mal taucht der Name in Berching in den Sterbematrikeln auf. Leonhard Pettenkofer ist am 12. März 1619 in Berching verstorben. Er hatte mit Ottilia drei Kinder. Barbara heiratete einen Georg Hübmer, Georg wurde nach Heirat mit Anna Müller in Eglasmühle (Schneemühle). Mit Sohn Michael I. begann der Aufstieg der Familie in Berching. Er wird angegeben als Müller auf der Stadtschreibersmühle, Pächter der Kreis- oder Obermühle, Weinhändler und Gastwirt, des Rats Bürgermeister und Eichstätter Kapitelkastner und wohnte im Haus Nr. 24, der ehemaligen Stadtapotheke. Die Strategie der Pettenkofer: Sie heiraten in viele Mühlen ein und werden schließlich als Besitzer von sieben Mühlen aufgeführt.
Das zweite Standbein war der Weihandel, den die Pettenkofer über das gesamte Hochstift Eichstätt ausführten, und Berching war zu dieser Zeit die zweitwichtigste Stadt im Hochstift.
Die politische Bedeutung der Pettenkofer für Berching wird deutlich, da mindestens neun Nachkommen Bürgermeister bzw. Stadtrat waren.
Michael I. hatte sieben Kinder, von denen nur das zweite, Johann I., für die Berchinger Linie eine Rolle spielt. Er heiratete 1626 die Kreismüllerstochter Anna, in einer Zeit, in der auch Berching schwer unter dem 30-jährigen Krieg zu leiden hatte. Kriegssteuern, Hungersnot und Pest rafften 1634 ca. 450 Menschen dahin, das war damals mehr als ein Drittel der Bevölkerung.
Den Aufstieg der Familie Pettenkofer konnten diese Ereignisse nicht bremsen. Johann I. hatte neben einer Tochter drei Söhne. Johann Michael brachte es auf der Stampfermühle mit seiner Frau Anna auf elf, Richard und Joh. Georg zeugten mit je zwei Ehefrauen zusammen 30 Kinder. Von diesen ca. 40 Kindern starben nur vier bei der Geburt, was auf den Wohlstand der Familien schließen lässt. Bei ärmeren Familien lag die Kindersterblichkeit wesentlich höher. In der nachfolgenden Generation kamen dann schon über 50 Pettenkofer in Berching auf die Welt, was damals ca. 5% der Einwohnerzahl ausmachte. In dieser Zeit waren auch viele der größten und wichtigsten Häuser in der Stadtmitte im Besitz der Familien.
Ein weiterer Höhepunkt der Pettenkofer war der Adelsbrief für einige Mitglieder, der allerdings mit sich brachte, dass bei der Suche nach passenden Ehefrauen das entsprechende Niveau in Berching nur schwer zu finden war. So kommt es auch, dass mehrere Pettenkofer „auswanderten“. Deshalb findet man Pettenkoferabkömmlinge u. a. in Landshut, Ingolstadt, Dinkelsbühl und Wien.
Große Teile ihres Reichtums investierten die vermögenden Pettenkofer in kirchliche und wohltätige Zwecke für Berching. Hier eine kurze, nicht vollständige Aufreihung:
1690 Stiftung der Brückenkapelle an der Sulz durch Johann Georg Pettenkofer
1708 Stiftung einer Wochenmesse von Joh. Georg P. mit 400 Gulden
1713 – 1745 Pettenkofersche Stiftung im Wert von 1500 Gulden
1722 Kapuzinerstiftung: Georg P. ermöglicht durch eine Spende von 3000 Gulden den Bau des Kapuzinerklosters mit Klosterkirche (später Franziskanerkloster, Altenheim, Pettenkoferhaus)
1734 Stiftung der Nepomukfigur durch Josef P.
1742 Bau der Kapelle am Hohenberg durch Hagenbergbesitzer Josef P.
1762 – 1764 Armenstiftung des Michael P. aus Landshut, ausgestattet mit 4000 Gulden (zum Vergleich: Die Stadtpfarrkirche kostete damals 3500 Gulden)
1796 Bau der Wallfahrtskirche Maria-Hilf durch M. A. Margaretha Vögele, Tochter des Joh. Georg P., ausgestattet mit einigen Gütern
Zu erwähnen sind auch noch zwei Pettenkofertöchter. Die Tochter Maria Ursula des Joh. Georg I. und ihre Nichte A. M. Sabina. Beide wurden Äbtissinnen des Klosters St. Walburg in Eichstätt. Adelgundis I. baute 1746 den Turm der Abteikirche mit der vergoldeten Figur der hl. Walburga. Sie gestaltete einige Altäre und das Walburgisgrab, ließ eine Orgel aufstelle, errichtete ein Gästehaus und stiftete eine Glocke. Adelgundis II. leitete elf Jahre das Kloster und besorgte eine zweite Glocke.
Nach diesen Generationen ging es aber mit den Pettenkofers langsam bergab. Der Weinhandel lief nicht mehr so gut, das Volksgetränk wurde das Bier. Der Weinanbau in Berching kam zum Erliegen. Als Bierbrauer hatten die Pettenkofer erhebliche Konkurrenz. 1830 gab es in Berching 15 Bierbrauer.
Nach der Säkularisation 1802 befand sich Berching nicht mehr unter der Herrschaft des Eichstätter Hochstifts und alle Ämter wurden abgezogen. So stiegen auch die Familien Pettenkofer wirtschaftlich und sozial ab. Eine Barbara wurde 1834 und 1839 wegen Diebstahls unter Polizeiaufsicht gestellt, Maria P. 1843 wegen Bettelns bestraft. Zwei Pettenkofertöchter wurden 1862 bzw. 1864 finanziell unterstützt, dem Sohn Qualbert diese Unterstützung versagt. Der Bierbrauer Franz Michael wurde subhastiert (= war insolvent) und das Haus verkauft. Der letzte männliche Pettenkofer in Berching stirbt am 1. Dezember 1885 im Spital, seine zweite Frau Anna Maria am 28. September 1898 ebenfalls im Spital. Seither sind in Berching die Pettenkofer ausgestorben.
Bleibt noch die Frage nach der Verwandtschaft des weltberühmten Chemikers und ersten Professors für Hygiene in München „Max von Pettenkofer“. Der eingangs erwähnte Leonhard, verheiratet mit Ottilia, ist 7-mal-Urgroßvater von ihm.
Nach einer Arbeit von Anja Staudt, Schülerwettbewerb 2002
Hubert Staudt