Die Sage vom Berchinger Hecht

Ein komischer Vogel begegnet aufmerksamen Besuchern in Berching immer wieder: Der Hecht im Vogelbauer ist ein Wahrzeichen der Stadt. Aber wie kam der Fisch in den Vogelkäfig?

Vor vielen Jahren, als die Sulz Hochwasser führte, glich das ganze Tal von Berching bis Plankstetten einem riesigen See – zur Freude der Fische, die plötzlich viel mehr Platz hatten. Doch so schnell wie die Fluten gekommen waren, zog sich der Fluss auch wieder in sein Bett zurück. Ein neugieriger Hecht, der sich zu weit vorgewagt hatte, verlor dabei den Anschluss und blieb hilflos auf der Wiese liegen.

Dort fand ihn ein Berchinger Bürger, der ein so wundersames Tier in seinem ganzen Leben noch nicht gesehen hatte. Er brachte seinen Fund schnell ins Rathaus, damit die Stadtväter feststellen konnten, worum es sich handelte. Diese berieten und verhandelten eine Weile, und am Schluss einigte man sich, dass es wohl ein Vogel sei.

Damit alle Stadtbewohner die Neuigkeit sehen sollten, wurde rasch ein Vogelkäfig herbeigeschafft und der Fisch darin eingesperrt und öffentlich zu jedermanns Bewunderung ausgestellt. Viel neugieriges Volk versammelte sich auf dem Rathausplatz und man beobachtete gespannt das weitere Tun des seltsamen Vogels. Als dieser den Rachen weit aufriss, um seine geplagte Fischseele endlich auszuhauchen, hörte man viele Stimmen, die ihre Nachbarn mahnten: „Seid's stad, jetzt wird er glei singa!“

Lange Zeit lebten die Berchinger sehr zurückgezogen, denn überall, wo sich einer von ihnen sehen ließ, steckten die Leute die Köpfe zusammen und höhnten: „Seht, ein Berchinger Hecht!“